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News

09. März 2017

2. Weinheimer Brotforum ein voller Erfolg

Nach erfolgreicher Premiere eines Forums zum Thema Brot im Jahr 2015 begeisterte auch das 2. Weinheimer Brotforum in diesen Tagen 120 Besucher aus ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern, zumeist Inhaber von bekannten Bäckereien mit hoher Brotkompetenz. Die Bundesakademie Weinheim erfreute sich ihrerseits an einem restlos ausgebuchten Saal und an hochkarätigen Referenten wie z.B. Heiner Kamps.

An 1,5 Tagen beleuchteten diese die „Zukunft des Brotes“, so der Untertitel, aus ganz unterschiedlichen Sichtweisen. Zunächst zeigte Akademie-Direktor Bernd Kütscher neuste Marktzahlen und Trends zu Brot, bevor „Brotpurist“ Sebastian Däuwel (Speyer) als Quereinsteiger mit frischen Ideen begeisterte. Seine Bäckerei öffnet er nur von Dienstag bis Freitag jeweils erst ab 15.30 Uhr. Er bietet täglich lediglich 4 Sorten an und verkauft in knapp 3 Stunden bis zu 500 Brote, zum Preis von 4,50 bis 6.50 Euro, was einem Kilopreis von bis zu 10 Euro entspricht.

Ernährungswissenschaftler Prof. Peter Stehle (Bonn) und Kulturwissenschaftler Prof. Hirschfelder (Regensburg) erläuterten anschließend ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf das Brot in der Ernährung und diskutierten dies auch mit den Teilnehmern, bevor Prof. Thomas Vilgis (Mainz) als Physiker die Magie des Brotes aus molekularer Sicht erklärte. Spannend! Kultbäcker Peter Kapp rundete den ersten Tag ab: „Streetfood mit Brot“. Es folgte ein gemeinsames Abendbrot im Restaurant der Akademie, mit intensiven Gesprächen bei Brot & Wein sowie auch flüssigem Brot.

Prof. Michael Kleinert (Wädenswil/Schweiz) eröffnete den 2. Tag mit einem Referat zu „Brot und Digitalisierung“. Demnach stehen unserer Branche große Umbrüche bevor! Anschließend zeigte Klaus Fritsch (Markt Einersheim), welcher mit seinem Bäckereitechnik-Unternehmen 100 Mio Euro Jahresumsatz erzielt, aktuelle Trends aus Sicht der Backtechnik. Es folgte ein Paukenschlag: „Hat die Bäckerei irgendwann ausgedient?“ fragte Prof. Thomas Becker (Weihenstephan) provokant und stellte allerlei Zukunftsideen der Wissenschaft vor, von der Brotherstellung im 3-D-Drucker bis zur virtuellen Simulation der Sinne. Die Ideen sorgten für reichlich Diskussionen, boten jedoch auch zahlreiche Anregungen.

Als letzter Referent verstand es Heiner Kamps (Düsseldorf) mit seiner Lebensgeschichte zu begeistern. Die 1981 gegründete, nach ihm benannte Bäckerei hatte er seinerzeit zu Europas größten Backkonzern aufgebaut und dann für 1 Milliarde Euro verkauft. Derzeit ist er Miteigentümer und Aufsichtsrat des Molkereikonzerns Müller, der auch Feinkost-Marken wie Homann oder Nadler sowie die Nordsee-Restaurants betreibt, mit einem Konzernumsatz von 6,5 Milliarden Euro. Dass er als gelernter Bäckermeister trotz vieler Engagements dem Brot verbunden bleibt, zeigte Heiner Kamps in Weinheim durch die Vorstellung des erfolgreichen Bäckereikonzepts „Bastians“, in das er investiert - benannt nach seinem Sohn. Sehr offen präsentierte er dabei auch betriebswirtschaftliche Zahlen: „Sie sehen, man kann auch mit nur 3 Filialen sehr erfolgreich gutes Geld verdienen“. Das Vortragshonorar spendete Heiner Kamps übrigens an die Stiftung „Brot gegen Not“, die er seinerzeit mit einem Teil des Verkaufserlöses gegründet hatte.

Nach einem Schlusswort durch den Vizepräsidenten des Deutschen Bäckerhandwerks, Heribert Kamm, und einem Mittagessen im Restaurant der Akademie verließen die Teilnehmer geistig und körperlich gestärkt die Akademie, jeder davon mit einem vollen Block an Ideen und neuen Ansätzen für die eigene Bäckerei und eine erfolgreiche Zukunft des Brotes. Aufgrund des begeisterten Feedbacks wird es auch ein 3. Weinheimer Brotforum geben, voraussichtlich jedoch erst wieder in zwei Jahren, im 1. Quartal 2019.